Am Anfang war das Heu!

   

Eigentlich könnte ich an dieser Stelle einfach meine Standartsätze hervor nehmen wie:   „Das ist silofreie Milch“, oder „die Kühe fressen nur Heu und Gras“. Doch es ist mir bewusst geworden, dass nicht jeder weis was Silo, Heu und Gras ist.

Darum beginne ich nun ganz am Anfang: „Ich erkläre dir die Heumilch!

Die Landwirtschaft hat in der Schweiz eine lange Tradition. Früher hatte man einige Kühe, Schweine und Hühner für die Selbstversorgung und den Tauschhandel. Die Kühe grasten auf den Wiesen, die Schweine suhlten sich im Schlamm und frassen die Küchenabfälle und die Hühner sorgten für einen sauberen Hausplatz und legten nebenbei noch Eier. Die Bauernfamilie baute Getreide und Gemüse an. Im Sommer wurde Gras geschnitten und getrocknet, als Vorrat für die Kühe im Winter. Auch das Gemüse und das Getreide wurde für den Winter eingelagert. „Am Anfang war also das Heu!“

Über die Generationen haben sich die Strukturen der Landwirtschaft verändert. Man bemerkte, dass nicht jedes Land  sich gleich gut für den Anbau von Getreide eignet und nicht überall gutes Gras wächst. Gerade in hügeliger Landschaft und in den Bergen ist es unmöglich Ackerbau zu betreiben. Es bleibt also nur die Milchwirtschaft. Die Hügel und Hänge werden so schonend bewirtschaftet und der Verwilderung vorgebäugt. So machte jeder, was er oder sie am besten konnte, entsprechende dem Land und der Region.

Das Ergebnis aus diesem Wandel in der Milchwirtschaft heisst: „Käse“. Da die Bauernfamilien nicht die ganze Milch ihrer Kühe an einem Tag trinken konnten, kamen sie auf die Idee (vielleicht war es auch ein Zufall) die Milch zu erhitzen und daraus Käse zu machen, den man lagern konnte. So tauschten die Familien die Milchkühe hatten ihren Käse gegen Getreide und Fleisch.

 

Später hat man dann begonnen, im Sommer Gras gleich wie Sauerkraut in luftdichten Behältern die man „Silo“ nennt  für den Winter zu konservieren. Dies hatte den Vorteil, dass das Gras auf der Wiese nicht ganz trocken sein musste, sondern bereits nacheinem

Tag schon bereit war für den Silo. Die Restfeuchtigkeit im Gras, zusammen mit der Wärme im Luftdichten Behälter führen zu einer Gärung, das wir so für lange Zeit konserviert. Heute kennen wir Gras-Silage als weisse runde Ballen, eingeschweisst in Plastikfolie.  Diese können draussen gelagert werden und die Bearbeitung auf dem Feld ist rationeller und weniger Wetterabhängig. So ist es auch möglich, im Vergleich zur Heuwirtschaft in den Sommermonaten mehr Futter zu konservieren, da im Führling früher begonnen und auch im Herbst noch siliert werden kann. Die Kühe fressen dann auch im Sommer Silage und müssen nicht zwingend auf die Weide.

 

In der Schweiz wird heute mit einer Mehrheit von 69% auf Basis von Silage Milch-Produziert. Heumilch dagegen hält sich an der altbewährten traditionellen Methode der Milchproduktion fest. Trotz den immer schwieriger werdenden Bedingungen was das Wetter anbelangt, ist die Schweiz das grösste Heumilch-Land in Europa (CH31%, Europa 3%). Heumilch hat den Vorteil, dass die Tiere das ganze Jahr über viel Auslauf haben und auf der Weide grasen dürfen. Auch kann man nur aus silagefreier oder eben Heumilch, lange gereifte Käse machen. Im Durchschnitt werden auf Heumilch-Betrieben weniger Kühe gehalten mit einer geringeren Milchleistung und einer längeren Lebensdauer. Die Bauernfamilien erhalten für ihre aufwendig erzeugte Milch mit gesunden Nährstoffen eine besser Wertschöpfung. Viele dieser positiven Eigenschaften werden in einem Reglement festgehalten und auch kontrolliert.

Jetzt kennst du die Geschichte der Heumilch und wieso es den Verein Heumilch Schweiz gibt. Noch Fragen?